Dorothee Robrecht
Journalistin
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Pressetext zu den TRÜMMERFRAUEN

Die TRÜMMERFRAUEN bestehen aus einer Serie von 10 Zeichnungen. Die Zeichungen zeigen ein fantastisch verfremdetes Berlin: Die Trümmerlandschaften von 1945 werden zur Kulisse für Geishas, die allein oder zu zweit ihrer Wege ziehen. Die Surrealität der deplazierten Geishas spiegelt Erfahrungen der Koreanerin Jinran Kim, die 1994 im Alter von 28 nach Berlin kam, um hier - nach abgeschlossenem Bildhauereistudium in Seoul - als Künstlerin zu arbeiten:

"Die Arbeit TRÜMMERFRAUEN ist nicht nur, aber auch ein ironischer Kommentar von meiner Seite über die Bedeutung und die Aussichten einer koreanischen Künstlerin in der modernen westlichen Kunstszene. Eine Geisha ist ursprünglich eine Frau, die von ihrer Kunst lebt. Die Geishas repräsentieren die ersten emanzipierten Frauen Koreas. Sie waren gebildet und belesen, gute Schauspielerinnen und gute Musikerinnen. Sie hatten Zugang zu den höchsten Gesellschaftskreisen und waren Vertraute der Mächtigen.

Sowohl Deutschland als auch Korea lagen Mitte des 20. Jahrhunderts in Trümmern. Während Europa einen sozial-progressiven Wiederaufbau betrieb, der alte humanistischen Ideale reetablieren sollte, nutze Korea die Zerstörung durch den Krieg, um sich seiner Kultur zu entledigen: Eigene Traditionen wurden dort aufgegeben zugunsten eines neo-aufklärerischen internationalen Rationalismus, der sich auf westliche Werte berief.

Die Geishas hat diese Zurückweisung der Tradition "freigesetzt": sie sind jetzt frei, aber sie sind auch arbeitslos, denn man braucht sie jetzt nicht mehr. Ich laufe in Berlin herum, sehe die alten Häuser, und wenn ich sie zeichne in meinem Kopf, werden Ruinen daraus. Vandalismus ist moralisch verwerflich, die Stadt hat schon genug gelitten, aber meine Zeichnungen sind eine Art brutaler, euphorischer Vandalismus."